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Über den Wert von Menschen mit Behinderungen

Pfarrer Mag. Norman Tendis1

Apostel Paulus sagt im 1. Korintherbrief, Kapitel 12 unter anderem:2
„Vielmehr sind die Glieder des Leibes, die uns die schwächsten zu sein scheinen, die nötigsten!“

Schießt er da nicht über das Ziel hinaus? Ja, wir sollen auch an die Schwachen denken, aber sind sie die nötigsten? Was sollte das für einen Sinn ergeben?

Wer mit behinderten Menschen zu tun hat, bemerkt ziemlich schnell eines:
Sie beschenken uns ganz unmittelbar mit ihren Gefühlen.

Aber es gibt noch etwas:

Wir spielen alle miteinander ein tägliches Spiel, wo es darum geht, wer besser ist, oder stärker, wer mehr kann, bessere Ergebnisse erzielt in jeder Hinsicht. Und in diesem Spiel steigen wir alle mal gut und mal weniger gut aus. In einem Bereich sind wir besser, in einem anderen Bereich jemand anders. Wir halten das aus, diese Art von Spiel. Manchmal wird uns zwar kalt dabei. Manchmal ist es mühsam, seine Schwächen zu verbergern und immer zu schauen, möglichst gut da zu stehen. Es täte uns allen besser, wir würden aus diesem Spiel öfter aussteigen, öfter einmal auch zu unseren Schwächen stehen, öfter zeigen, wie es uns wirklich geht, statt immer nur den Helden zu spielen.


Behinderte Menschen zum Beispiel zwingen uns, aus diesem Spiel auszusteigen. Deshalb sind sie tatsächlich die Wichtigsten. Sie schenken unserer Gesellschaft ein Stück Herzenswärme zurück.

Hier geht es nicht darum, wer besser oder toller ist. Es geht nur darum, für einander da zu sein, die Ritterrüstung abzulegen und Menschlichkeit zu zeigen.

Deshalb ist es wichtig, dass sie mitten im Zentrum unserer Gesellschaft sind!



1 Pfarrer Mag. Norman TEndis, Pfarrgemeinde St. Ruprecht bei Villach
http://www.evang-kaernten.at/pfarrgemeinde oder http://www.struprecht-evangelisch.at

2 Auszug aus der Rede anlässlich der Eröffnung einer Tagesstätte für behinderte Menschen in Landskron